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Ein Bein im japanischen Stil - Stefanie berichtet
Freitag, 21.03.03, 13 Uhr: Ja, jetzt ist doch schon ein ganzes halbes Jahr vergangen, seit ich das letzte Mal unter der Nadel gelegen habe - was für eine lange Zeit (nein, ich bin nicht süchtig *g*). Nachdem ich mir letztes Mal, beim Tätowieren des linken Innenarms, geschworen habe, daß das mein letztes Tattoo wäre, bin ich ganze 3 Tage nach dem Schwur im Tätowierstudio Checkers Demon in Stuttgart gestanden, um mit Luke Atkinson einen Termin für das Stechen meines rechten Beines auszumachen. Zu meiner Verteidigung ist zu sagen, daß ich dieses Projekt schon sehr viel länger angedacht hatte und mich ca. ein dreiviertel Jahr vorher schon bei Luke gemeldet hatte. Damals bin ich vertröstet worden mit dem Hinweis, daß er mich anruft, sobald er Zeit hätte. Und das war dann eben 3 Tage nach meinem letzten Termin bei Trish. Also kann ich nur sagen, das Schicksal wollte es so ;-)
Für mein Bein hatte ich mir was Japanisches vorgestellt, also konkret einen Drachen, der sich hochschlängelt und dazwischen dann noch Blüten und Feuer und so. Am 06.12.02 hatte ich dann einen Termin bei Luke, an dem er mir mein Bein vollgezeichnet hat. Als er die Linien dann auf Folie gepaust und die Folie auf dem Boden ausgebreitet hat, hab ich mir das erste Mal ein Bild davon machen können, wie groß das ganze eigentlich wird. Das Tattoo wird schätzungsweise 1 ½ Mal so groß wie mein Rücken, also ganz schön ordentlih. Damals haben wir noch weitere Termine ausgemacht, von denen aber die ersten beiden aus verschiedenen Gründen nicht geklappt haben.
Also steh ich endlich wieder vor dem Tattoo-Studio, nachdem ich mich monatelang darauf gefreut habe, daß es endlich losgeht. Komischerweise bin ich überhaupt nicht nervös, obwohl ich weiß, daß die Sitzung wohl ziemlich hart werden wird. Kurz vor 13 Uhr stehe ich also da und warte, und warte, und warte... Naja, so schlimm wars dann doch nicht, Luke taucht um 13.15 Uhr auf und entschuldigt sich für seine Verspätung. In der Zwischenzeit kommt dann auch mein Freund dazu, der wegen eines beruflichen Termins auch erst etwas später kommen konnte. Drinnen werden wir erstmal auf die Warteecke verwiesen, wo wir uns die Zeit mit dem Anschauen von Mappen mit schönen Tattoo-Fotos anschauen. Irgendwann wird die Warterei dann doch etwas lang aber ich sehe, daß Luke sich mit der Zeichnung von meinem Tattoo beschäftigt. Um 15 Uhr ist es dann doch endlich soweit und wir werden nach hinten in den Tätowierraum gerufen.
Schnell meine Hose ausgezogen und da wird auch gleich das Stencil auf mein Bein gelegt, hin und her probiert und irgendwann hats dann gepasst. Also wird das Bein eingesprüht und das Stencil fest draufgedrückt, so daß sich die Linien auf meinem Bein abbilden. Danach erfolgt eine kritische Begutachtung von Luke, der hier und dort ein paar Linien wegwischt und noch neue draufzeichnet. Dann darf ich es mir endlich auf der Liege bequem machen und Luke setzt das erste Mal die Tattoogun an mein Bein. Und zwar genau am Schienbein, was gleich mit relativ starken Schmerzen quittiert wird. Zum Glück ist heute aber hauptsächlich der Oberschenkel dran, so daß die Sache mit dem Schienbein in 10 Minuten abgehandelt ist. Luke arbeitet sich mit den Outlines langsam hoch und sticht zuerst die ganze Außenseite. Nach ca. 3 ½ Stunden ist die Außenseite und auch schon Teile Richtung Innenseite fertig. Die Schmerzen haben sich bisher in Grenzen gehalten, aber mein Kreislauf ist nicht mehr ganz stabil und ich fühle mich etwas schlapp.
In diesem Zustand bin ich dann auch nicht gerade erfreut, daß ich mich jetzt auf den Bauch legen muß und er noch die Innenseite tätowieren will. Zum Glück hab ich einen Händchenhalter dabei, der sich mit mir unterhält, mich mit Traubenzucker und sonstigem versorgt und mich im allgemeinen etwas ablenkt. Nach einer guten halben Stunde hab ich plötzlich brutale Schmerzen, so daß ich mich nicht mal mehr unterhalten kann. Mein Freund schaut nach und verkündet, daß ich gerade an der Kniekehle tätowiert werde. Das war der härteste Teil und ich mußte wirklich fest auf die Zähne beissen, damit ich auch durchhalte. Die Hand von meinem Freund hab ich wohl auch ziemlich zerquetscht, aber das hab ich kaum mitbekommen.
Aber irgendwann war das auch mal vorbei und nach 4 ½ Stunden Quälerei kamen dann die erlösenden Worte, daß wir Schluß machen für heute. Vor lauter Erschöpfung konnte ich zuerst gar nicht aufstehen, um mein neues Werk im Spiegel zu bewundern. Als Luke es dann aber mit Folie einpacken wollte, bin ich doch schnell zum Spiegel geschwankt und war überwältigt vor Freude! Das sah so klasse aus, daß ich mich kaum davon losreissen konnte. Aber irgendwann kam dann doch mal die Salbe drauf und dann wurde mein Bein schön eingepackt.
Der nächste Termin ist in 5 Wochen und da werden dann die Outlines vom Knie bis zum Fuß gestochen. Trotz wieder zu erwartender Schmerzen freue ich mich riesig drauf!
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