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"HIER PIERCT DER CHEF" - DAS TREIBEN GEWISSENLOSER PFUSCHER

Piercing ist modern, chic und trendy....... aber auch ein gutes Geschäft. Dies führt leider dazu, daß sich immer noch unseriöse Anbieter auf diesem Gebiet herumtreiben. Geschäftemacherei von unqualifizierten Pfuschern zu Lasten der Gesundheit ihrer Kunden. Ein erschreckendes Beispiel hierzu erlebte ich im Spätsommer 2001 in der sonst so seriösen Schweiz.

Ascona, Urlaubsort mit mediteranem Ambiente für ein tendenziell eher wohlhabendes Publikum (auch an den Swimmingpools der dortigen 5 Sterne Hotels ist inzwischen Bodyart immer häufiger zu sehen). In der Fußgängerzone in der Via Borgo befindet sich in einer Toreinfahrt (gegenüber der Piazetta Ambrosoli) seit fast ewigen Zeiten ein Modeschmuckhändler, der seinen Silberschmuck und sonstige aktuellen „Assecoires“ in der Manier von Straßenhändlern feilbietet. Nun, dauerhafte Qualität wird dort weder angeboten und sicherlich auch nicht erwartet. Man/frau darf schon froh sein, wenn der angebotene Schmuck zumindest Nickelfrei ist.

Ein Schild erregt meine Aufmerksamkeit. Piercingschmuck aus „Chirurgenstahl“ 316L wird angepriesen. Alleine diese Bezeichnung erregt in mir Verärgerung. 316L als Chirurgenstahl zu bezeichnen ist schlichtweg freche Bauernfängerei. 316L ist eine „hundsordinäre“ rostfreie amerikanische Stahlqualität. Hieraus werden Rohrleitungen, Behälter etc. gefertigt und dieses Material hat einen Nickelanteil von bis zu 14% !!!

Der Piercingschmuck selbst wird genau so feilgeboten wie all’ der andere Modeschmuck. Nur eine durchsichtige Plastikdose schützt ihn - vermutlich vor Diebstahl. Dazu der Staub der Straße, Passanten die mit ihren ungewaschenen Fingern die Schmuckstücke antatschen - also kurz gesagt eine höchst unhygienische Situation.

Der Höhepunkt meines Entsetzens naht aber noch. Da steht doch allen Ernstes ein Schild, auf dem das Piercen selbst angeboten wird. Ohren, Nasenflügel, Augenbraue, Bauchnabel und sogar Brustwarze für Preise in der Größenordnung von CHF 30...50,- Ich sehe keine Räumlichkeit mit saubere Umgebung, die für die fachgerechte Durchführung des Piercings geeignet wäre. Handschuhe ? Autoklav ? Vorsterilisierte Instrumente ? Alles Fehlanzeige ! Vorgebliches Interesse bekundend wende ich mich an die anwesende Verkäuferin. Auf Nachfrage wird mir erklärt, all’ diese Piercings führe man mit der Ohrlochpistole (!) aus. Ich kann es nicht fassen ! Erneute Nachfrage, ob auch Augenbraue, Bauchnabel und gar die Brustwarze so gepierct werden. Ja freilich, dies mache aber der Chef ! Und wo ?  Dort hinter dem Vorhang !

Nun wird es mir zu viel. Ich gebe mich als Bodyartprofi und Mitarbeiter des damaligen „Tattoonet.de“ zu erkennen und hinterfrage kritisch die unsachgemäße Praxis und weise auf die Gefahren dieses unverantwortlichen Treibens hin. Sofort werde ich unter Hinweis auf das Hausrecht aus diesem Schmuckgeschäft vertrieben. Ich würde das Geschäft schädigen.

Mein nächster Gang führt mich daraufhin sofort zur Gemeindeverwaltung in Ascona. Dort schildere ich das skandalöse Treiben dieses Geschäftemachers und reiche auch eine schriftliche Beschwerde ein, verbunden mit der Aufforderung die Rechtmäßigkeit dieses Treibens zu prüfen und das zuständige Gesundheitsamt mit der Prüfung der Verhältnisse zu beauftragen. Was ist geschehen seitdem ? Ein dürres Briefchen der Gemeinde Ascona, daß man für die Anregung danke und der Sache nachgehen werde..... und seitdem warte ich seit über 8 Monaten auf eine weitere Antwort von Seiten der Behörden aus dem sonnigen Tessin.

Ein Bericht von
Volker