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LET'S PUNCH - EIN ERFAHRUNGSBERICHT VON STEFANIE
Letzten Montag haben Matthias und ich sofort das Visavajara in Freiburg aufgesucht, die ja bekanntermaßen auch punchen. Für den Tag hatten wir uns nur vorgenommen, das Studio zu finden und uns dort ein wenig umzusehen. Der anwesende Piercer - eine wild anzusehende Gestalt namens Roland - war super freundlich und zuvorkommend. Er hat sich für uns eine Menge Zeit genommen und mein Ohr genaustens angeschaut. Leider meinte er, wie schon Britta vom Stechpunkt, daß mein Ohr für ein Industrial nicht geeignet wäre. Er hat uns dann aber alles mögliche erklärt, was er mit meinem Ohr machen könne und ich könne mir ja mal überlegen, ob davon für mich was in Frage kommt. Mit einem guten Gefühl im Bauch haben wir dann das Studio verlassen und waren davon überzeugt, bald wiederzukommen.
Am Dienstag haben wir uns dann alles nochmal genau überlegt und Matthias kam auf die geniale Idee, in die Ohrmuschel 2 Löcher machen zu lassen und dann einen Ring durchzuziehen. Das hätte mir schon sehr gut gefallen, aber ich dachte mir gleich, daß dafür das Ohr zu klein wäre. Aber fragen kostet ja nix und so sind wir am Mittwoch wieder zum Visavajara gefahren.
Dieses Mal war mir klar, daß ich nicht ohne Punching den Laden verlassen würde. Roland hatte dann auch bald wieder Zeit für uns und so haben wir ihm die Idee mit den 2 Löchern erklärt. Er fand die Idee auch total gut, aber nach mehrmaligen Ausmessen, Erklären, Diskutieren und Überlegen mussten wir diese Idee leider auch begraben. Er hätte es machen können, allerdings höchstens in 2,4 mm und das wäre mir zu klein gewesen. Und selbst in dieser Größe hatte er noch Bedenken, ob es wirklich gut abheilt, da der Ring immer auf mindestens eines der Löcher gedrückt hätte.
Also wollte ich wenigstens ein Loch in der Ohrmuschel und zwar in 3,2 mm. Als ich aber den Tunnel in der Größe gesehen habe, kam er mir zu winzig vor und so hab ich mich dann für die 4 mm entschieden. Als Ersteinsatz muß ein Tunnel rein, da es mit einem Ring nicht so gut ausheilen würde.
Nachdem ich die Einverständniserklärung unterschrieben habe, sind wir also mit Roland zusammen ins Hinterzimmer gegangen. Dort hat er sich zuerst einen Mundschutz umgebunden und dann mein Ohr desinfiziert. Danach hat er die Stelle in meinem Ohr angezeichnet und ich hab sie für gut befunden. Da ich wußte, daß ein Punching sehr blutet, hab ich Roland noch gesagt, daß ich kein Blut sehen kann. Danach durfte ich mich auf die Liege legen und war ziemlich ängstlich und nervös. Roland hat das bemerkt und immer wieder beruhigend mit mir geredet.
Als alles zurechtgelegt war, ruft Roland eine andere Piercerin mit in den Raum und erklärt mir, daß es für ihn praktischer wäre, wenn ihm jemand dabei hilft und assistiert. Ich solle jetzt nicht erschrecken, es würde in meinem Ohr ein ziemlich komisches und recht lautes Geräusch geben, aber das wäre normal. Noch eine letzte Frage, ob ich bereit wäre und nach meinem zaghaften "Ja" drückt er von hinten irgendwas (weiß leider nicht was) als Unterlage hin und vorne drückt er mir den Punch durchs Ohr. In 3 Sekunden ist der Punch durchgedrückt und Roland läßt sich von der Piercerin ein Skalpell geben, da noch ein Stückchen Haut festhängt. Ich spüre fast gar nichts, außer daß eine Menge Blut an und in meinem Ohr runterläuft. Später hat mir Matthias erzählt, daß Roland den Tunnel auf einen Taper gesteckt hatte und ihn nach dem Punchen einfach "reinfallen" hat lassen. Das Loch wurde nämlich in 5 mm gepuncht und der Schmuckt ist ja nur 4 mm dick. Mein Ohr brennt etwas und ich spüre, daß mir jemand Kompressen ans Ohr drückt, um die Blutung zu stillen. Diese waren wohl einige Male vollgesaugt und mußten immer wieder gewechselt werden.Roland fragt, ob alles in Ordnung wäre und wie ich mich fühle. Bis auf die Tatsache, daß mein Kreislauf total spinnt ging es mir erstaunlich gut, was ich ihm auch gesagt habe. Nach ein paar Minuten läßt die Blutung endlich nach und ich traue mich wieder, die Augen zu öffnen. Als es endlich ausgeblutethat, setze ich mich langsam auf. Mir war natürlich total elend, wie bei allen meinen Piercings. Mit Traubenzucker und Wasser versorgt ging es dann aber auch bald wieder besser. Und dann kam der große Augenblick: Roland fragt mich, ob ich es mir anschauen möchte und holt einen Spiegel her. Mich hats fast umgehauen vor Freude und auch Stolz, nachdem ich mein frisch gepunchtes Ohr bewundert habe! Das rausgenommene Stückchen Knorpel habe ich mir dann aber nicht angeschaut, sonst wäre es mir wohl wieder schlecht geworden.
Nach weiteren 20 Minuten, in denen wir uns mit Roland über alles mögliche unterhalten haben, hab ich mich dann wieder getraut, von der Liege aufzustehen. Etwas wackelig bin ich dann zum großen Spiegel geschwankt und hab nochmal mein Ohr bewundert. Danach sind wir wieder nach vorne in den Laden gegangen und dort hab ich dann noch den letzten Abschnitt der Einverständniserklärung unterschrieben, daß das Piercing so geworden ist, wie ich es gewünscht habe. Nach kurzen Erklärungen, wie ich das Punching zu pflegen habe, ging es ans Bezahlen. Der Punch kostet 35 Euro und der Schmuck 22 Euro. Das hatte mir die Piercerin schon vorher gesagt, aber Roland hatdann nur 55 Euro genommen. Als kleinen Bonus, weil ich trotz großer Angst so gut durchgehalten habe, drückt er mir noch eine Flasche Octenisept in die Hand. Nach weiteren guten Wünschen verabschieden wir uns und versprechen, bei Gelegenheit wieder bei ihm reinzuschauen. Er hat uns zwar sowieso für Samstag nochmal herbestellt, aber da wußte er, daß er nicht selbst im Laden ist, sondern ein anderer Piercer.
Am Abend war das Ohr innen ziemlich stark mit Blut verkrustet. Zuerst hab ich selber dran rumgemacht, aber mir ist dann gleich wieder schlecht geworden. So hat dann Matthias den Tunnel vorsichtig gereinigt, allerdings ging es nicht so gut, wie wir uns es vorgestellt hatten. In der ersten Nacht hat es dann auch wieder geblutet, so daß am nächsten Tag wieder alles verkrustet war. Da hab ich dann unter leichten Schmerzen den vorderen Gummiring entfernt und Matthias hat dann alles gründlich gereinigt. Danach hat es praktisch nicht mehr geblutet und dementsprechend waren auch keine Krusten mehr zum Entfernen. Die weitere Pflege war nicht sehr umfangreich, zweimal am Tag etwas mit einem feuchten Wattestäbchen reinigen und Octenisept draufsprühen.
Am Samstag sind wir dann wieder ins Visavajara gefahren wo sich Ralf, der andere Piercer, mein Ohr angeschaut hat. Er war sehr zufrieden damit, allerdings wollte er den Gummiring etwas nach vorne schieben, da er doch recht straff am Ohr war. Das hat dann wieder etwas geschmerzt, allerdings ging das auch bald wieder vorbei.
Ein Bericht von Stefanie
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