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DAS RICHTIGE PIERCINGSTUDIO

Piercingstudios gibt es inzwischen wie Sand am Meer - wie findet man aber das Richtige? Ich möchte hier einige Aspekte aufzeigen, die bei der Entscheidung für oder gegen ein Studio ausschlaggebend sein können.

Primär fallen mir drei Hauptarten von Argumenten ein: Die Hygiene (das A und O beim Piercing), die Qualität der Beratung sowie die menschliche Komponente (Sympathie).

Zäumen wir das Pferd mal von hinten auf und beginnen mit der menschlichen Komponente. Meine persönliche Meinung ist, daß die Durchführung eines Piercings ein recht intimer Akt ist, unabhängig davon, ob das Piercing selbst an intimen Stellen durchgeführt wird oder nicht. Insofern sollte mir die Person, die das Piercing sticht, schon in gewisser Weise sympathisch sein, sprich: "die Chemie muß stimmen". Ich denke, daß ich hierzu keine weiteren Ausführen mehr machen muß, dieses Thema ist wohl fast selbsterklärend. So kann alleine schon das äußere Erscheinungsbild eines Studios den Ausschlag für die Sympathie geben. Manche Leute fühlen sich z.B. in der Bikerszene nicht wohl (dies geht jetzt nicht gegen die Bikerszene, es ist nur ein Beispiel).

Eine Beratung ist vor der Durchführung des Piercings sehr wichtig. Man sollte mit dem Piercer seine Wünsche bezüglich gewünschter Stelle, Schmuck, etc. abstimmen. Hierbei sollte man das Gefühl haben, ernst genommen zu werden und nicht nur eine Art Bittsteller zu sein. Insbesondere wenn man sich vorher schon ein bißchen informiert hat (was grundsätzlich ratsam ist), kann es hier leicht zu Konflikten kommen. In manchen Studios sind solche informierten Kunden nicht erwünscht, meiner Meinung nach handelt es sich hierbei aber oft nicht um die wirklich guten Studios, sondern vielmehr um solche, die etwas zu verbergen haben und bei denen daher ein informierter Kunde unerwünscht ist. Ein wirklich guter Piercer sollte hier durchaus auch auf den informierten Kunden eingehen. In der Regel wird er aufgrund seiner Berufserfahrung die besseren Argumente haben. Grundsätzlich gilt gerade auch bei informierten Kunden, daß "der Ton die Musik macht" - man sollte nicht als der Allwissende auftreten, sondern offen den Dialog suchen.

Wichtig ist im Beratungsgespräch auch die Wahl des richtigen Schmucks - in Deutschland ist inzwischen für den Ersteinsatz nur noch Titanschmuck zugelassen; sollte der Piercer Dir z.B. Chirurgenstahl vorschlagen, so vergiss es. Oft wird im Gespräch auch die Frage nach einer eventuellen Betäubung gestellt. Klar, Piercings sind schmerzhaft - aber der Schmerz ist nur von sehr kurzer Dauer, insofern ist eine Betäubung in meinen Augen nicht notwendig - und auch vom medizinischen Standpunkt her ist es nicht ungefährlich. Deshalb sollte man am Besten gleich drauf verzichten.

Der entscheidende Faktor bei der Wahl des Studios sollte jedoch IMMER der hygienische Aspekt sein. Piercings sind vom hygienischen Standpunkt her grundsätzlich nicht gefährlich - aber nur, wenn hier mit einem hohen Maß an Sorgfalt gearbeitet wird. Lässt der Piercer diese Sorgfalt nicht walten, so können durchaus Infektionskrankheiten wie HIV oder Hepatitis übertragen werden. Außerdem erhöht sich dann die Gefahr von üblen Entzündungen des frisch gestochenen Piercings.

Grundsätzlich gilt, daß die Piercings immer in einem abgetrennten Raum des Studios durchgeführt werden sollten. Sollte Dich dieser Raum an eine Arzt- oder Zahnarztpraxis erinnern, so ist das durchaus gewollt und vorteilhaft. ;-)

Idealerweise hat dieser Raum einen Fußboden, der nass ausgewischt werden kann, z.B. aus Fliesen. Ein Teppichboden dagegen wäre nicht so ratsam, da man diesen nicht so gut reinigen kann. Im Raum selbst sollten sich keine Pflanzen befinden; außerdem sollte dort nicht geraucht werden und es sollten sich keine Tiere darin aufhalten (Lach nicht, daß hab ich alles schon gesehen!). Während des Piercing-Vorganges sollte der Patient liegen - das ist insbesondere dann wichtig, wenn der Kreislauf nicht mehr mitspielt. Die Patientenliege sollte mit einer Einmalauflage bedeckt sein, die nach jedem Kunden gewechselt werden muß.

In dem Moment, in dem der Piercer am Patienten zu hantieren beginnt, muß er Einweg-Handschuhe tragen. Der Patient sollte im zu piercenden Bereich nie mit bloßen Händen berührt werden. Ehe der Piercer richtig loslegt, wird er den zu piercenden Bereich falls notwendig mit einem frischen Einwegrasierer von lästigen Haaren (welche in das frische Piercing einwachsen können und dabei die Heilung erschweren) befreien und großflächig mit einem Hautdesinfektionsmittel behandeln.

Nachdem die gewünschte Lage des Piercings markiert ist, wird es Ernst. Frag den Piercer ruhig bereits im Vorfeld, wie er seine Werkzeuge und auch den Schmuck reinigt. Ideal wäre folgende Reihenfolge:

1) Reinigung im Ultraschallreiniger
2) Desinfektion
3) Luftdichtes Verschweißen in für Sterilisator geeignete Folie
4) Sterilisation

Dies bedeutet, daß sowohl der Schmuck als auch das Werkzeug des Piercers aus einer verhältnismäßig keimarmen, luftdichten Verpackung entnommen werden sollte. Wenn ich hier Werkzeug erwähne, dann meine ich damit NICHT die Nadel, sondern nur Hilfsmittel wie Zangen, etc. Die Nadel, mit der gestochen wird, muß IMMER eine Einwegnadel sein! Sie muß direkt vor dem eigentlichen Vorgang des Piercings aus ihrer Hülle entnommen werden und muß danach sofort entsorgt werden.

Idealerweise sollte der Piercer nach den vorbereitenden Arbeiten wie Anzeichnen, etc. noch einmal die Handschuhe wechseln, so daß er das eigentliche Piercing mit frischen Einweghandschuhen durchführt.

Sollte dem Piercer während des Piercing-Vorganges irgendein Werkzeug oder gar der Schmuck herunterfallen, so darf das entsprechende Teil nicht mehr verwendet werden. Vielmehr muß dann mit sauberem Ersatz gearbeitet werden.

Ist die Nadel durch das zu piercende Körperteil durchgestochen, so wird der Schmuck eingeführt und verschlossen. Je nach Körperteil wird über das frische Piercing noch ein Pflaster geklebt.

Sollten alle hier beschriebenen Regeln beachtet worden sein, so ist die Chance, daß das Piercing problemlos verheilt, doch recht groß. Das frische Piercing stellt eine Frische Wunde dar und ist auch wie eine solche zu behandeln. Mit dreckigen Fingern sollte man z.B. nicht daran herumspielen. *g*

Die korrekte Aftercare für das frische Piercing ist ein Kapitel für sich. ;-) Hier streiten sich die Geister, es gibt die verschiedensten Methoden, daher möchte ich hier nicht alle aufzählen.

Meine persönliche Empfehlung wäre, in den ersten Tagen zur Reinigung das Schleimhautdesinfektionsmittel Octenisept (rezeptfrei in jeder Apotheke erhältlich) zu verwenden, sollte das Piercing keine Problem machen, also nicht übermäßig stark entzündet sein, eitern, etc., so kann man nach ein paar Tagen zur Reinigung auf lauwarmes Salzwasser umsteigen - die Reinigungsflüssigkeit sollte immer mit Wattestäbchen appliziert werden. Sollte das Piercing wieder Erwarten doch Probleme machen, so ist ein leichtes Antibiotika wie Tyrosur (ebenfalls rezeptfrei in jeder Apotheke erhältlich) ratsam. Sollte auch das nicht weiterhelfen bzw. sollte es zu größeren Entzündungen bzw. zu starken Schmerzen kommen, so schadet es auch nicht, einmal beim Piercer vorbeizuschauen. Der kann die Lage sicher beurteilen.

Ach ja, daß sich ein frisches Piercing leicht entzündet, ist normal - letztlich ist das ein Anzeichen dafür, daß sich Dein Immunsystem mit dem Fall beschäftigt. ;-)

Ein Bericht von Alex