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2. Landauer Tattoo-Convention, 10. und 11. Mai 2003
Auch die lokale Tageszeitung “Die Rheinpfalz” widmete der Landauer Convention einen längeren Artikel, den wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen:
Insidertip für deutsche Kultgemeinde Zwanzig Künstler bei der Tattoo- und Piercingmesse "Body Art" zu Gast Körperkunst - hautnah und brandaktuell - gab es am Wochenende in der Landauer Süwegahalle zu erleben, die bereits zum zweiten Mal zum Schauplatz der Tattoo & Piercingmesse "Body Art" und somit schon zum Insidertip für eine Kultgemeinde in ganz Deutschland wurde. 20 "Künstler" bezogen in der alten Halle Stellung, bauten ihre provisorischen Studios namens "Nekromatix", "Colour, Blood and Steel" oder "Hot Ink" auf und brauchten auf Kundschaft nicht lange zu warten. Die ausgelegten Mappen mit Ornament- und Bildvorlagen waren im Nu umringt, die "Behandlungsplätze" - ihr Sitzkomfort reicht von einer Art Friseursitz bis hin zum hölzernen Wirtshaushocker - blitzschnell besetzt. Moderator und DJ "Arafat" geriet geradewegs ins Schwärmen: "Landau gehört zu den schönsten Conventions in Deutschland, die Atmosphäre ist familiär, das Publikum offen. Die Halle wurde aufgemacht und schon hast du die Nadeln surren hören!"
Auch bei Arafat selbst haben die Nadeln schon heftig gesurrt: Die linke Gesichtshälfte des 41-jährigen Münchners ist komplett tätowiert und goldene Piercings glänzen an allen erdenklichen und unerdenklichen Stellen um die Wette. Der Bayer ist stolz auf sein Outfit und überzeugt davon, dass es sich "immer mehr zu einem gesellschaftsfähigen Schmuckstück" mausert. Aber allzu salonfähig soll das Tätowieren doch nicht werden: "Ein bisschen verrucht" darf es schon sein, schließlich hat die Szene hart an ihrem Halbwelt-Ruf gearbeitet. Und sie tut es immer noch, auch in Landau: Die Anbieter präsentieren sich reihum im duster schwarzen Outfit, mit schrillen Extras und "Lord Insanity" hat sich für seine "Freak & Horrorshow" nicht nur spektakulär gepierct, sondern sogar neckische Teufelshörnchen ins knallrote Haar frisiert. Die Szene feiert sich selbst und hat sichtlich Spaß daran. Und das Publikum? Es hat zwei Gesichter. Da gibt es die Eingefleischten, schon mehrfach "Gebrandmarkten", die auch von weither zur "Body Art" anreisen, um in die Szene einzutauchen, alte Bekannte zu treffen und neue Trends zu ermitteln. Und die "Einheimischen", die neugierig sind, mit einem Tattoo oder einem Piercing liebäugeln und die Kataloge durchblättern.
Peter Voss gehört eindeutig zur ersten Kategorie. Der 45-Jährige ist eigens aus Rottweil angereist, um sich hier in Landau auch noch das letzte freie Fleckchen Haut auf seinem Rücken verzieren zu lassen. Seit 1995, so erklärt er stolz, lasse er sich im Zweiwochenrhythmus tätowieren, ein Drittel seines Lohnes sei ihm das Vergnügen allmonatlich wert und dieses "Sammeln aus Leidenschaft" mache geradewegs süchtig.
Suchtgefahr besteht bei Alexandra Schauermann und Andy Hübner wohl noch nicht. Die beiden Rülzheimer haben die "Body Art" zum ersten Mal besucht und sich spontan für ein japanisches Zeichenmotiv als neuen, verbindenden Körperschmuck entschieden. Alexandra wagt sich zuerst unter die Nadel und findet die Prozedur "gar nicht mal so schlimm". Eine knappe Stunde später und 90 Euro leichter ist ihr neues Outfit perfekt. Andy muss etwas mehr Geduld aufbringen, denn sein Ornament soll den kompletten Unterschenkel zieren. Ob diese Arbeit bei der Preisverleihung am Abend zum "Best of Day" gekürt werden wird?
Derlei Laufsteg-Ambitionen haben die drei Schülerinnen der Jahrgangsstufe 12 des Pamina Gymnasiums in Herxheim nicht. Zwar haben auch sie etwas aufgeregt in einer Studioecke Platz genommen, heute aber wollen sie sich "nur" piercen lassen. Alle drei halten sich deshalb fest an den Händen, zwicken die Augen zusammen, halten die Luft an und schon hat Janina ein glänzendes Nasenringlein verpasst bekommen.
Während Sarah nur als Mutmacherin fungiert, hat sich Josephine für ein Steinchen im Bauchnabel entschieden. Das ergänzt nun eine kleine Tätowierung am Rücken, mit der sie bereits seit einem halben Jahr aufwarten kann. Auf der Messe erhofft sie sich nun Anregungen für weitere Motive. Ist die verhängnisvolle Sammlerleidenschaft schon wachgekitzelt? (ttg)
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